Ausrüstung

Saucony Endorphin Elite 3 im Test: Weicher, aggressiver und schneller als je zuvor?


Getestet von Fabio Guidici

Fabio ist ein erfahrener Langstreckenläufer und kennt sich besonders gut mit Performance-Laufschuhen aus. Da er bereits eine Vielzahl von Rennschuhen mit Carbonplatte getestet hat, bringt er in seinen Testbericht eine fundierte Erfahrung ein. Zu seinen persönlichen Bestzeiten zählen aktuell 32:30 über 10 km, 1:11:46 im Halbmarathon und 2:29:26 im Marathon. Erst zuletzt nahm Fabio am Saucony London 10K teil, wo er den neuen Saucony Endorphin Elite 3 mit einer beeindruckenden Zeit von 34:09 auf die Probe gestellt hat.

Ich bin frisch zurück vom Saucony London 10K Event, wo ich die Möglichkeit hatte, Sauconys neuen Superschuh auf Herz und Nieren zu testen: den Saucony Endorphin Elite 3.

Ich muss gestehen, dass dies mein erster Kontakt mit einem Saucony Wettkampfschuh war und ich daher keinen direkten Vergleich zu den Vorgängermodellen ziehen kann. Allerdings habe ich schon einige Schuhe mit fortschrittlichem Schaumstoff und Carbonplatten-Technologien getestet. Ich bin mir daher sicher, dass wir auch dieses Mal auf einige interessante Erkenntnisse stoßen werden.

Fabios Gesamtwertung für den Saucony Endorphin Elite 3
KATEGORIEWERTUNG
Komfort3/5
Dämpfung5/5
Atmungsaktivität5/5
Grip2/5
Reaktionsfreudigkeit5/5
Raceday Performance5/5
Gesamt4/5

Erster Eindruck: Unglaublich weich vom ersten Schritt an

Starten wir wie immer mit meinem Ersteindruck.

Dieser Laufschuh ist weich. Unglaublich weich.

Das Obermaterial fühlt sich fast schon lächerlich geschmeidig an. Es erinnert eher daran, mit der Hand über einen maßgeschneiderten Anzug zu streichen, als daran, ein Sportgerät in der Hand zu halten, das eigentlich darauf ausgelegt ist, dich leiden zu lassen. Vielleicht ein bisschen weniger, vielleicht ein bisschen besser, aber ein gewisses Maß an Quälerei gehört trotzdem dazu. Sonst sollte man sich vielleicht eine andere Sportart suchen. 

Nach der ersten Überraschung über das Obermaterial habe ich mich auf das konzentriert, was wirklich zählt: die Zwischensohle, die Geometrie und die Platte.

Bevor ich nach London gefahren bin, hatte ich mich bereits informiert, was mich erwartet – aber ich muss sagen, dass Sauconys neuer incrediRUN Foam viel weicher war, als ich es mir hätte vorstellen können.

Von den Schuhen, die ich getestet habe, fühlt er sich ähnlich an wie der ASICS METASPEED™ Sky, und vielleicht sogar noch näher am ASICS METASPEED™ Ray (auch wenn ich damit nicht selbst gelaufen bin, sondern ihn nur gesehen habe).

Der Hauptunterschied ist, dass der Saucony Endorphin Elite 3 etwas mehr Gewicht mitbringt.

Allerdings hat diese beeindruckende Weichheit auch eine Schattenseite. Das erste Gefühl, wenn man in den Schuh schlüpft, ist nicht unbedingt ermutigend. Er wirkt etwas instabil – vor allem an der Ferse, wo die Sohlenstärke von 39,8 mm ihn knapp unter dem aktuellen World Athletics-Limit für legale Straßenlaufschuhe platziert.

Obermaterial & Passform: Leicht, atmungsaktiv und überraschend sicher

Nach meinem ersten lockeren Lauf musste ich aber feststellen, dass mein erster Eindruck nicht ganz richtig war.

Die Instabilität an der Ferse verschwindet, sobald man läuft, während sich die fast schon übertriebene Weichheit beim schnelleren Tempo in einen kraftvollen, reaktionsfreudigen Lauf verwandelt.

Zu Beginn erweckt der Saucony Endorphin Elite 3 den Eindruck, auch für ruhigere Einheiten geeignet zu sein. Ich persönlich halte das aber für eine Fehleinschätzung. Ein Wettkampfschuh wie dieser ist für hohe Intensität gemacht – da spielt er seine Stärken voll aus!

Kommen wir nun zum wirklichen Test: dem Wettkampftag.

Wie immer beginne ich mit dem Obermaterial.

Dieses unglaublich weiche Obermaterial hat sich als leicht und außergewöhnlich atmungsaktiv erwiesen und umschließt dabei den Fuß sicher, ohne einzuengen. Die Schnürsenkel haben die perfekte Länge und mir gefällt besonders der integrierte Schnürsenkelhalter an der Schuhzunge.

Manchmal habe ich gemerkt, dass meine Socken im Schuh gerutscht sind. Ob das an meiner Sockenwahl lag, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Aber erwähnenswert ist, dass der Schuh von einer Innensohle mit etwas mehr Grip profitieren könnte – das würde Bewegungen in engen Kurven oder bei schnellen Richtungswechseln minimieren.

Ob das nun wirklich am Schuh oder an den Socken lag, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen. Aber genau deshalb lässt der bärtige Tester nichts unter den Tisch fallen!

Mir ist außerdem aufgefallen, dass der Saucony Endorphin Elite 3 etwas klein ausfällt.

Das merkt man beim ersten Anprobieren nicht direkt, weil das Obermaterial so unglaublich weich ist – aber sobald man los läuft, stößt der große Zeh spürbar vorne an, was kein ideales Gefühl ist. Angesichts des Preises für einen Premium-Wettkampfschuh wie diesen, würde ich empfehlen, eine halbe Nummer größer zu wählen.

Laufgefühl & Performance: Gemacht für Tempo

Wie schon zuvor erwähnt, vermittelt der Schuh zunächst den Eindruck, dass er sich auch bei lockererem Tempo zähmen lässt – aber sobald man ihn bei Geschwindigkeiten läuft, die seinem eigentlichen Einsatzzweck und unseren eigenen Grenzen näherkommen, zeigt er sein wahres Gesicht:

Wir haben es hier mit einem aggressiven, dynamischen Wettkampfschuh mit hervorragender Energierückgabe zu tun.

Es ist kein Schuh, der einem etwas schenkt, aber er gibt definitiv viel zurück.

Der Schaumstoff erinnert mich an den im Mizuno Neo Zen oder im New Balance FuelCell Rebel, wobei es sich hier allerdings um eine deutlich weiterentwickelte und verfeinerte Version des Konzepts handelt.

Wir haben es mit einer Schaumstoffmischung zu tun, die ein außergewöhnlich hohes Maß an Reaktionsfreudigkeit und Energierückgabe bietet. Später habe ich erfahren, dass Saucony dies mit einer zweiten, weniger reaktiven Schicht kombiniert hat, um die Rückgabe ausgewogener und kontrollierter zu machen.

Die gegabelte Vorfußplatte ermöglicht eine viel natürlichere Flexion im Mittelfußbereich als eine durchgehende Platte, während die ausgeprägte Rocker-Geometrie für einen späten, sehr aggressiven Übergang sorgt.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich diesen Schuh persönlich für die gesamte Marathondistanz wählen würde. Über eine schnelle 10K-Distanz aber ganz bestimmt! Wenn er erst mal auf Touren kommt – was sehr schnell passiert und kaum Energie kostet – hilft er hervorragend, Kadenz und Laufhaltung beizubehalten.

Grip & Stabilität: Ein fairer Kompromiss für maximale Performance

Dank der gegabelten Vorfußplatte sind Grip und Stabilität überraschend gut – insbesondere angesichts des extrem weichen Schaumstoffs und der Gesamtsohlenstärke. 

Wir bewegen uns zwar nicht in der absoluten Spitzenklasse, aber es ist ein guter Kompromiss für einen Wettkampfschuh, der so dicht an den aktuellen Grenzen der Laufschuh-Technologie gebaut ist.

Da dies ein kompromissloser Wettkampfschuh ist, erwarte ich keine außergewöhnliche Haltbarkeit. Ich schätze etwa 250–300 km – was durchaus typisch ist für einen Schuh, der auf maximale Raceday-Performance ausgelegt ist.

Andererseits – wenn man rund 300 € für einen Schuh ausgibt, möchte man damit natürlich gern noch ein paar hundert Kilometer mehr laufen können.

Fazit: Für wen ist der Saucony Endorphin Elite 3 wirklich gedacht?

Mit seiner sehr aggressiven Geometrie und dem außerordentlich weichen Schaumstoff richtet sich der Saucony Endorphin Elite 3 in erster Linie an gut trainierte Läufer:innen mit effizientem Laufstil, die im Wettkampf schnell unterwegs sein wollen – realistisch ist eine Pace unter 3:40 min/km.

Meiner Meinung nach spielt er seine Stärken auf Distanzen bis zum Halbmarathon voll aus, wo sein explosiver Abdruck und die aggressive Abrollbewegung glänzen. Für einen kompletten Marathon würde ich ihn persönlich nicht wählen – das ist aber letztlich Typsache des Läufers bzw. der Läuferin.

Neben seiner eindrucksvollen Vortriebskraft habe ich vor allem die unglaubliche Weichheit geschätzt. Trotz der aggressiven Performance am Wettkampftag ist das Gefühl beim ersten Schritt in diesen Schuh unvergleichlich.

Würde ich den Saucony Endorphin Elite 3 in nur einem Satz beschreiben, dann so:

Gemacht, um Vollgas zu geben!

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