
Sprint-Training für alle Läufer:innen: Verbessere deine Lauftechnik
Sprint-Übungen sind nicht nur etwas für Bahnsportler. Wir haben mit Sprint-Coach und Ex-400m-Hürdenläufer Kerry Dixon gesprochen, um zu verstehen, wie Läufer:innen vom Sprint-Training und einer besseren Technik profitieren können. Die Grundlagen der Sprint-Mechanik zu erlernen, hilft Läufer:innen aller Leistungsstufen, bessere Koordination, Rhythmus, Haltung und Kraftentwicklung zu erzielen – für effizienteres Laufen, wenn es darauf ankommt.
Um die Vorteile des Sprint-Trainings und der Mechanik zu erklären, hat Kerry diesen Artikel für den SportsShoes Advice Hub verfasst.
Lerne Kerry Dixon kennen: Vom Spitzen-Hürdenläufer zum Sprint-Coach
Ich habe mit 14 Jahren als Hochspringer angefangen, bevor ich zu den 400m Hürden wechselte. 15 Jahre lang habe ich in Europa und Nordamerika trainiert und Wettkämpfe bestritten – immer mit dem Ziel, ins britische Team zu kommen und Olympionike zu werden.
Ich habe an der Seite von Olympioniken und Spitzensportlern trainiert und alles für meinen Traum gegeben. Es hat zwar nie ganz für das Team gereicht, aber ich habe die Trainingshinweise, Mechaniken und Grundlagen mitgenommen, die alles geprägt haben, wie ich mich beim Laufen bewege und denke.
Später habe ich als Level 3 Personal Trainer und Leichtathletiktrainer ausgebildet und begonnen, anderen Läufer:innen die Grundlagen des Laufens zu vermitteln, um sie zu verbessern und ihnen Freude am Sport zu vermitteln.
Häufige Irrtümer bei Langstreckenläufern
Zu den weit verbreiteten Irrtümern unter Langstreckenläufer:innen gehören die Mythen, dass:
„Sprint-Übungen sind nur für Sprinter.“
Die Übungen sind für alle Läufer:innen geeignet, da sie dem Körper beibringen, sich effizienter mit besserer Technik und Mechanik zu bewegen. Das bedeutet weniger Energieverlust – und die Möglichkeit, das Tempo und die Geschwindigkeit über längere Distanzen und auch bei Ermüdung zu halten.
„Mehr Kilometer zu laufen ist der einzige Weg zur Verbesserung.“
Wenn deine Bewegung nicht effizient ist, festigst du mit zusätzlichen Kilometern lediglich schlechte Angewohnheiten. Wenn du jede Woche konsequent etwas Zeit für Übungen und schnelle Läufe aufwendest, entwickelst du bessere Bewegungsmuster und dein Lauf wird kraftvoller und kontrollierter.
„Sprinten ist nur etwas für junge oder Spitzensportler.“
Du brauchst keine Bahnerfahrung oder Weltklasse-Ambitionen, um von Sprint-Mechanik zu profitieren. Die Grundlagen der Sprint-Mechanik zu erlernen bedeutet, deine Bewegung zu verbessern – und nicht, Sprinter:in werden zu wollen.
Ob du nun einen 5-km-Lauf oder einen Marathon läufst – das Ziel ist, effizient im Wettkampftempo zu bleiben und diese Effizienz auch bei Ermüdung zu halten.

Warum Sprint-Mechanik für jede:n Läufer:in wichtig ist
Viele Läufer:innen verbinden Sprinten mit explosiven Bahnsportler:innen, aber Sprint-Mechanik kann auch Langstreckenläufern dabei helfen, ihre Bewegungskoordination zu verbessern und so die Qualität und den Rhythmus des Laufschritts zu steigern.
Die Übungen und Drills lassen sich an Erfahrung, Trainingsphase und Zieldistanz anpassen.
Sprinten hilft dir, deine Lauftechnik weiterzuentwickeln. Überträgst du das auf dein Laufen, kannst du schneller und weiter laufen – und das bis zur Ziellinie beibehalten.
Bessere Laufeffizienz (Running Economy)
Beim Laufen jeder Distanz gilt: Ermüdung minimieren und effizient bewegen.
Ziel ist es, bei gleichem Tempo weniger Energie zu verbrauchen – so kannst du weiter oder schneller laufen, ohne dich mehr anstrengen zu müssen.
Wenn du effiziente Bewegungsabläufe trainierst, entwickelst du die Koordination und Kontrolle, die du brauchst, um bei Ermüdung deine Lauftechnik beizubehalten.
Mehr Beinkraft und Kraftentwicklung
Sprint-Übungen stärken die Muskulatur, die für den Kraftimpuls beim Bodenkontakt verantwortlich ist. Mehr Kraft bedeutet einen stärkeren Abdruck bei jedem Schritt, was zu mehr Rhythmus und Kadenz führen kann.
Zudem kann sich durch die kurzfristig höhere Intensität die allgemeine Fitness verbessern.
Bessere Koordination und Rhythmus
Sprint-Übungen fördern das Zusammenspiel von Armen, Beinen und Rumpf – dadurch wird die Bewegung flüssiger und natürlicher.
Wiederholung ist der Schlüssel, um diese Fertigkeit und das Muskelgedächtnis zu entwickeln.
Haltung und Körperwahrnehmung
Laufen fühlt sich am besten an, wenn du entspannt bist.
Die Abläufe des Sprintens aufzuschlüsseln, hilft dir, ein Gefühl für deinen Körper und deine Bewegungen zu bekommen. Einfache Hinweise helfen Läufer:innen, ein Bewusstsein für Körperhaltung zu entwickeln.
Für stärkere und belastbarere Bewegungsmuster
Sprint-Training kann Teil eines umfassenden Kraft- und Athletikprogramms sein und Drills, Körpergewichtsübungen, Krafttraining und Plyometrics beinhalten.
Diese Aktivitäten helfen Läufer:innen, kräftiger zu werden und besser mit den beim Laufen wirkenden Kräften umzugehen. Drills lehren zudem, wie beim Laufen Aufprall- und Belastung verteilt werden, und unterstützen eine flexible Reaktion auf unterschiedliche Anforderungen.
Es gibt keine Methode, die Verletzungen vollständig verhindern kann. Aber Kraft, Koordination und effiziente Bewegung zu entwickeln, ist ein wichtiger Bestandteil eines guten Trainingsplans.
Vor dem Sprinten: Warum ein richtiges Warm-up so wichtig ist
Das Warm-up ist genauso wichtig wie die Laufeinheiten selbst. Es erhöht langsam die Herzfrequenz, bereitet Muskeln und Gelenke vor und gibt dem Nervensystem Zeit, sich auf schnelles Laufen einzustellen.
Neben der physischen Vorbereitung dient es dazu, die Laufbewegung zu zerlegen – sie zu verlangsamen, wichtige Positionen wahrzunehmen, deine Technik zu spüren, und dann allmählich das Tempo zu steigern.
Betrachte dein Warm-up als essenziellen Teil der Haupteinheit und nicht als etwas, das man schnell hinter sich bringt. Je besser du deinen Körper vorbereitest, desto besser wirst du laufen, wenn es darauf ankommt.
Glute-Band-Aktivierungsübungen
Aktivierte Gesäßmuskeln sind essenziell für ein gutes Warm-up. Die Glutes gehören zu den stärksten Muskelgruppen beim Laufen – werden aber oft vernachlässigt, vor allem, wenn du viel am Schreibtisch sitzt.
Mit Widerstandsbändern kannst du die Glutes vor dem Laufen aktivieren und so die Hüftstabilität, die Kraftentwicklung und die Kontrolle bei jedem Schritt verbessern.
Arbeiten die Glutes effizient, müssen andere Muskeln weniger kompensieren.
Dynamische und Hürden-Mobilisation
Dynamische Mobilitätsübungen bereiten den Körper auf jene Bewegungsabläufe vor, die du beim Laufen wirklich brauchst.
Ich integriere gerne Hürden-Mobilitätsübungen, um die Beweglichkeit rund um die Hüfte zu verbessern und dabei Balance, Koordination und Kontrolle zu fördern.
Gute Hüftmobilität hilft übrigens auch bei längeren Läufen, einen besseren Schritt und Tritt zu finden.
Sprinten verlangt, dass dein Körper schnell durch den kompletten Bewegungsumfang arbeitet – bereite deshalb Muskeln und Gelenke entsprechend vor.
Sprint-Übungen
Sprint-Drills dienen dazu, bereits vor dem schnellen Laufen gute Bewegungsmuster zu festigen.
Statt direkt loszusprinten, schaffst du mit den Übungen Gelegenheit, dich auf Haltung, Koordination, Rhythmus und Fußaufsatz zu konzentrieren.
Häufig starten wir mit Varianten im Gehen, bevor wir zu dynamischeren Formen übergehen, sobald das Selbstvertrauen und die Koordination besser werden.
Sieh Sprint-Drills als Chance, gute Technik zu üben, bevor du sie richtig umsetzt.
Plyometrische Übungen
Plyometrische Übungen helfen dem Körper, schnell Kraft zu erzeugen und zu absorbieren.
Einfache Übungen wie Pogos, Hüpfer oder Sprungläufe wecken die Unterschenkelmuskulatur und verbessern die elastischen Eigenschaften, die effizientes Laufen erfordert. Sie verkürzen zudem die Bodenkontaktzeit und sorgen dafür, dass Muskeln und Sehnen auf die Anforderungen des Sprints oder die wiederholten Aufpralle beim langen Laufen vorbereitet sind.
Steigerungsläufe (Progressive Accelerations)
Der letzte Schritt beim Warm-up ist die allmähliche Temposteigerung.
Statt direkt voll zu sprinten, beginnst du mit kontrollierter Beschleunigung und steigerst mit jeder Wiederholung dein Tempo.
So hat der Körper Zeit, sich auf die Geschwindigkeit einzustellen, das Nervensystem wird vorbereitet und du bist bereit für die Sprint-Einheit.

Die wichtigsten Sprint-Drills, die jede:r Läufer:in kennen sollte
Sprint-Drills sind einfach Bewegungsübungen, die den Sprint in einzelne Komponenten zerlegen. So kannst du dich jeweils auf einen Aspekt der Technik konzentrieren, bevor du alles wieder zusammensetzt.
Egal, ob du einen 100-m-Sprint oder einen Marathon läufst – bei jedem Schritt geht es darum, effizient zu bewegen.
Stell dir Sprint-Drills als Mittel vor, um Muskelgedächtnis aufzubauen. Je konsequenter du gute Bewegungsmuster übst, desto natürlicher gehen sie auch in dein Laufen über.
Das sind die drei Drills, die ich jedem empfehle.
High Knees (Kniehebelauf)
Kniehebelauf ist ein idealer Einstieg in die Sprint-Mechanik, weil dabei gute Haltung, Rhythmus und Koordination sowie Kniehub und schnelle Kadenz geübt werden.
Es geht um mehr, als die Knie möglichst hoch zu ziehen. Entscheidender ist, aufrecht zu bleiben und ein schnelles, kontrolliertes Tempo beizubehalten.
Worauf du achten solltest:
Haltung – Bleibe aufrecht in der Hüfte, vermeide ein Zurücklehnen.
Kniehub – Hebe das Knie natürlich an, ohne die Bewegung zu erzwingen. Denke daran, das Knie nach oben zu „schieben“, während du in den Boden drückst.
Rhythmus – Denke in schnelle, kontrollierte Schritte, nicht in Hektik. Bewege die Arme zügiger, denn je schneller die Arme, desto besser folgen die Beine.
A-Skips
A-Skips fördern die Koordination zwischen Armen und Beinen und stärken Haltung, Timing und Fußaufsatz.
Auch wenn sie sich anfangs etwas ungewohnt anfühlen, sind sie eine der besten Übungen, um effiziente Lauftechnik zu entwickeln.
Worauf du achten solltest:
Timing – Lass Arme und Beine natürlich zusammenarbeiten, sodass ein lockerer Sprung entsteht.
Koordination – Bleibe entspannt, denke nicht zu viel nach. Führe die Hände mit den Armen vor die Augen und zurück zu den Hosentaschen.
Kraftübertragung – Setze den Fuß unterhalb der Hüfte auf, statt nach vorne auszuschreiten, um Überstreckung zu vermeiden.
Low Ankle Dribbles
Low Ankle Dribbles vermitteln Läufer:innen einen der wichtigsten Aspekte beim Laufen: kurze, schnelle und effiziente Bodenkontakte bei kontrolliert kurzen Schritten.
Worauf du achten solltest:
Bodenkontakt – Achte auf kurze, leichte Kontakte mit dem Boden bei einer niedrigen Kreisbewegung im Sprunggelenk – alles bleibt kontrolliert.
Fußaufsatz – Lande unter deinem Körperschwerpunkt, um einen sauberen Schrittstil zu fördern.
Haltung – Bleibe aufrecht, vermeide ein „Sitzen“ in der Hüfte. Brust raus, Blick nach vorne – Augen auf den Horizont helfen, die Körperhaltung zu halten.
Die wichtigsten Sprint-Mechaniken, die jede:r Läufer:in verstehen sollte
Sprint-Mechanik klingt vielleicht technisch, ist aber einfach die Grundlage effizienten Laufens.
Egal ob du sprintest, einen 5-km-Lauf bestreitest oder einen Marathon trainierst: Jede:r Läufer:in braucht die gleichen grundlegenden Bewegungsmuster – am besten so effizient wie möglich.
Wenn Haltung, Armarbeit und Fußaufsatz zusammenpassen, läuft es sich oft geschmeidiger, kontrollierter und effizienter.
Statt alles auf einmal zu ändern, konzentriere dich darauf, bei Trainingseinheiten jeweils eine dieser wichtigen Grundlagen zu meistern.
Ziel ist nicht, wie ein:e Sprinter:in auszusehen, sondern effizienter zu laufen.
Kleine Verbesserungen machen auf jeder Distanz einen großen Unterschied.
Haltung
Gute Haltung ist die Basis für effizientes Laufen.
Ziel: Aufrecht aus der Hüfte laufen, mit leichtem Vorwärtsneigen aus dem Sprunggelenk statt aus der Taille.
Vermeide ein „Sitzen“ im Schritt oder ein Einsacken im Oberkörper – das erschwert die Kraftübertragung und macht es schwieriger, Kadenz, Rhythmus und Laufstil beizubehalten.
Worauf du achten solltest:
● Aufrecht aus der Hüfte.
● Brust offen, Blick auf den Horizont.
● Neigung aus den Sprunggelenken, nicht aus der Taille.
Armarbeit
Die Rolle der Arme wird beim Laufen oft unterschätzt.
Eine starke, entspannte Armarbeit erzeugt Rhythmus, hält das Gleichgewicht und unterstützt die Beinbewegung.
Spannen sich die Arme oder schwingen sie quer vor dem Körper, leidet der Laufstil, das kostet Energie und die Ermüdung steigt.
Worauf du achten solltest:
● Arme vor/zurück bewegen, nicht quer.
● Schultern locker lassen.
● Lass die Arme den Laufrhythmus vorgeben – die Beine folgen automatisch.
Kniehub
Guter Kniehub bedeutet, das Knie ausreichend anzuheben, um einen effizienten Schritt zu ermöglichen – mit Rhythmus und Kontrolle.
Es sollte sich natürlich anfühlen, nicht forciert.
Worauf du achten solltest:
● Knie zielgerichtet anheben, nicht erzwingen.
● Rhythmus beibehalten.
● Lass den natürlichen Kniehub den Schritt unterstützen.
Fußaufsatz
Das Thema Fußaufsatz ist oft missverstanden.
Es wird viel diskutiert, ob der Vorfuß-, Mittelfuß- oder Fersenaufsatz optimal ist – aber es gibt keinen „perfekten“ Fußaufsatz für alle.
Wo dein Fuß landet, hängt u.a. von Tempo, Kadenz und individuellen Bewegungsmustern ab.
Wichtiger ist, wo dein Fuß RELATIV zum Körper aufsetzt.
Die meisten Läufer:innen (außer Sprinter) landen auf dem Mittelfuß oder der Ferse.
Setzt du zu weit vorne auf, entsteht eine Bremswirkung. Achte auf aufrechte Haltung und dass der Fuß unter oder nahe am Körperschwerpunkt landet.
Meist verbessert sich der Fußaufsatz automatisch, wenn Haltung, Kadenz und Laufstil stimmen – du musst dir keine spezielle Fußposition erzwingen.
Worauf du achten solltest:
● Nicht zu weit vor dem Körper aufsetzen.
● Erzwinge keine spezielle Fußaufsatz-Variante.
● Lass Haltung und Mechanik bestimmen, wie du aufsetzt – nicht das bewusste Erzwingen einer Landung.

Typische Fehler beim Tempotraining
Selbst erfahrene Langstreckenläufer:innen tun sich bisweilen schwer, wenn sie schnelle Einheiten in ihr Training aufnehmen. Speed Work kann sehr effektiv sein, bringt aber auch viele dazu, bei der Technik zu viel nachzudenken.
Oft erlebe ich, dass Läufer:innen sich so sehr bemühen, schnell zu laufen, dass sie die effizienten Bewegungsmuster, die sie in den Drills geübt haben, nicht mehr anwenden. Statt auf die richtige Mechanik zu vertrauen, wollen sie Geschwindigkeit erzwingen.
Speed Work soll jedoch eben jene starke Haltung, den Rhythmus und die Koordination festigen, die du schon entwickelt hast. Je höher das Tempo, desto wichtiger ist, dass die Technik stabil bleibt.
Hier die häufigsten Fehler – und wie du sie vermeidest.
Überstride (zu großer Schritt)
Der wohl häufigste Fehler: mit jedem Schritt zu weit nach vorne zu treten.
Dadurch entsteht bei jedem Aufsetzen eine Bremswirkung, was das Halten des Tempos erschwert und den Energieaufwand erhöht – du ermüdest schneller.
Statt nach vorne zu „schnappen“, konzentriere dich darauf, Kraft in den Boden zu bringen und die Schrittlänge natürlich entstehen zu lassen.
Worauf du achten solltest:
● Setze näher an deinem Körperschwerpunkt auf.
● Drücke den Boden weg, anstatt nach vorne zu treten.
● Halte eine ruhige, gleichmäßige Kadenz.
Blick nach unten & Verlust der Haltung
Wohin der Kopf zeigt, folgt oft der Körper.
Mit Blick nach unten sackst du schnell in Brust und Hüfte ein – effiziente Lauftechnik wird schwieriger.
Halte also den Blick auf den Horizont – so bleibt deine Haltung aufrecht und entspannt.
Worauf du achten solltest:
● Blick nach vorn.
● Aufrecht aus der Hüfte.
● Leichte Neigung aus dem Sprunggelenk, nicht aus der Taille.
Vergessen, dass Arme und Beine zusammenarbeiten
Immer wieder sehe ich, dass Arme und Beine als getrennte Bewegungen angesehen werden.
Tatsächlich sorgen die Arme aber für Rhythmus, Gleichgewicht und Timing. Arbeiten sie nicht effizient, leiden die Beine.
Egal ob du Drills oder schnelle Läufe trainierst: Sieh den Körper immer als ein Gesamtsystem, nicht als Einzelteile.
Ein häufiger Fehler ist, dass die Arme vor dem Körper schwingen (Rotation), statt vor und zurück. Das sorgt für unnötige Drehung und weniger Effizienz.
Worauf du achten solltest:
● Führe die Arme vor und zurück.
● Die Arme geben den Rhythmus vor.
● Sieh deinen Körper als ein System.
Mit zu viel Spannung laufen
Großer Irrtum: Sprinten bedeutet, sich maximal anzuspannen.
In Wirklichkeit sind die schnellsten und effizientesten Läufer:innen meist am entspanntesten.
Spannung in Schultern, Kiefer oder Händen kostet Energie und hemmt die Bewegung.
Genau das vermitteln Sprint-Drills auch: Kraft erzeugen und trotzdem ruhig und kontrolliert bleiben.
Kraftvoll sein, wo es nötig ist – locker in allen anderen Bereichen.
Worauf du achten solltest:
● Lass die Schultern locker.
● Hände und Finger weich lassen.
● Atme ruhig, um Spannungen zu vermeiden.
Plyometrics: Power und Elastizität aufbauen
Plyometrics sind ein weiteres wertvolles Mittel, um Kraft, Koordination sowie die schnelle Kraftaufnahme und -abgabe zu trainieren.
Im Kern lernst du bei Plyometrics, nach dem Bodenkontakt Kraft aufzunehmen und diese beim Abdruck effizient umzusetzen.
So wird dein Schritt „federnder“, verkürzt deine Bodenkontaktzeit und macht das Laufen reaktionsfreudiger.
Wer neu bei Plyometrics ist, startet am besten mit einfachen Übungen, bevor die fortgeschritteneren Varianten hinzukommen.
Gutes Lauftraining bedeutet mehr als nur Kilometer zu sammeln. Wenn du wöchentlich etwas Zeit in deine Bewegung, Kraft und Koordination investierst, fühlt sich jeder Lauf effizienter an.
Du musst nicht alles auf einmal machen. Starte mit den Grundlagen, bleib konsequent und konzentriere dich erst auf die Bewegung, bevor du das Tempo erhöhst.
Pogos
Pogos sind eine meiner liebsten ersten Plyo-Übungen – sie sind einfach, wirkungsvoll und für die meisten Läufer:innen geeignet.
Ziel ist, kurze, reaktionsfreudige Bodenkontakte zu erzeugen und dabei durch den ganzen Körper aufrecht zu bleiben.
Worauf du achten solltest:
● Aufrechte Körperhaltung.
● So wenig Zeit wie möglich auf dem Boden verbringen.
● Die Bewegung aus dem Sprunggelenk erzeugen, nicht durch tiefes Beugen der Knie.
Bounds (Sprungläufe)
Sprungläufe fördern die Beinkraft und trainieren gezielt den Krafteinsatz beim Bodenkontakt, um mit jedem Schritt aktiv nach vorne zu kommen.
Starte mit kurzen, kontrollierten Sprungläufen und steigere Distanz und Varianten schrittweise.
Worauf du achten solltest:
● Nach vorne abstossen, nicht nach oben.
● Rhythmus und Kontrolle beibehalten.
● Sanft mit guter Balance landen.
Einbeinige Kraft & Stabilität
Laufen besteht im Wesentlichen aus einbeinigen Bewegungen – Kraft und Stabilität auf einem Bein lohnt sich deshalb besonders.
Einbeinige Kniebeugen, Step-ups oder Romanian Deadlifts verbessern Gleichgewicht, Hüftstabilität und Kontrolle und schaffen so eine stärkere Basis fürs Laufen.
Worauf du achten solltest:
● Halte während der Bewegung die Balance.
● Hüfte stabil halten.
● Erst auf Kontrolle achten, bevor du mehr Gewicht dazunimmst.
Fazit
Du musst kein:e Sprinter:in sein, um von Sprint-Mechanik zu profitieren.
Egal, ob 5-km-Lauf, Halbmarathon oder Marathon – alle Läufer:innen profitieren von besserer Koordination, Haltung, Rhythmus, Kraft und Kontrolle.
Es geht beim Sprint-Training nicht darum, aus Langstreckenläufer:innen Sprinter:innen zu machen. Vielmehr lernen Läufer:innen, wie sie sich bewegen, üben effiziente Muster und holen so das Beste aus jedem Schritt heraus.
Die Grundlagen der Sprint-Mechanik dienen letztlich dazu, deine Bewegung zu optimieren – davon profitieren alle.
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