
Arc Project 4: 24 Stunden auf dem Laufband
"Die Zeit verschwindet wie im Flug"
Für Alec, Mitglied des Salty Boys Athletic Club und Gewinner des Arc Project 4, fasst dieser Satz das Erlebnis perfekt zusammen. Vierundzwanzig Stunden in der „The Treadmill Factory“ hatten eben diese Wirkung.
Das Motto der Salty Boys lautet „Do mental s***“ – und bei AP4 haben sie genau das getan.
Das „Arc Project 4“ war ein 24-stündiger Indoor-Laufband-Staffellauf, ein Ausdauerwettbewerb, bei dem 50 Teams auf manuellen, nicht motorisierten Laufbändern in einer Halle antraten, die durch Licht, Ton und Projektionen in eine ganz neue Welt verwandelt wurde. Eine riesige Leinwand, wechselnde Lichtshows und durchgehende DJ-Sets prägten die Atmosphäre während des gesamten Rennens neu und schufen ein Erlebnis, das sich ebenso sehr psychisch wie physisch anfühlte.
Mal versank der Raum in völliger Dunkelheit. Im nächsten Moment brach ein blendend weißes Licht herein. 24 Stunden lang waren die Läufer in eine Umgebung eingetaucht, die darauf ausgelegt war, ihr Zeit-, Anstrengungs- und Ortsgefühl zu verzerren.
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Ein Blick in „The Treadmill Factory“
Im Inneren des Arc Project 4 – liebevoll „The Treadmill Factory“ genannt – verblasst die Außenwelt schnell. Es gibt keine Kurven, kein Wetter und keine Lanfschaft. Nur unerbittliche manuelle Woodway-Laufbänder, Musik, Licht und Anstrengung.
Rob, der Mannschaftskapitän, fasste den Unterschied wie folgt zusammen:
"Draußen gibt’s Wind, wechselnde Bedingungen, Schatten und so weiter. Hier dagegen, gibt’s kein Entkommen, keine Ablenkung. Es ist so schwer."
Das Team der „Salty Boys“ bestand aus Marathonläufern mit einer Zeit unter drei Stunden, Leichtathleten und Ultraläufern, doch trotz ihrer Erfahrung hätte sie nichts auf die bevorstehende Herausforderung vorbereiten können. Was sie überraschte, war nicht nur die körperliche Belastung, sondern auch die mentale Anstrengung, die damit einherging, mit voller Kraft zu laufen – von nirgendwo nach nirgendwo, ohne sich tatsächlich im Raum vorwärts zu bewegen.
Ihr ursprünglicher Plan, lange, durchgehende Etappen zu laufen, verschwand schnell angesichts der körperlichen und psychischen Belastung durch die Umgebungsbedingungen.
„Es wurde zu einer militärischen Angelegenheit. Wir gingen methodisch vor. Wir wurden so prozessorientiert. Wir hatten keine andere Wahl.“
Das Team passte sich an und wechselte zu unerbittlichen, rasanten 3-Minuten-Rotationen – 3 Minuten Einsatz, 3 Minuten Pause –, die jeweils in 45-Minuten-Blöcken wiederholt wurden.
Während ihrer kostbaren 45-minütigen Erholungsphasen stiegen die Läufer von den Laufbändern und ließen sich sofort vor den riesigen Industrieventilatoren nieder, um sich abzukühlen, bevor sie sich stärkten und sich auf den nächsten Lauf vorbereiteten.

Wenn die Zeit keinen Sinn mehr ergibt
Doch unabhängig von ihren Planänderungen und Erholungsstrategien stieß jeder Läufer an eine Grenze, an der ihn die Realität der Fabrikhalle einholte.
Für Katie, eine erfahrene Ultraläuferin, brachte die Halbzeit echte Zweifel mit sich.
"Ich habe mir immer einfach gesagt: ‚Na ja, ich schaffe das schon irgendwie‘, aber bei diesem Rennen war ich mir tatsächlich nicht sicher, ob ich es körperlich bis zum Ende durchhalten würde. Noch zwölf Stunden vor sich – das ist immer noch eine echt lange Zeit, wenn man wirklich zu kämpfen hat."
Im Gegensatz zu einem Trail-Ultra, bei dem die Anstrengung ständig durch das Gelände neu definiert wird, gab es hier keine Abfahrten, die Erleichterung verschafften, und auch keine Wechsel des Untergrunds oder der Steigung, die den Rhythmus auf natürliche Weise unterbrachen. Beim AP4 änderte sich die Anstrengung nie wirklich, es gab keine Momente der Erholung, und das vertraute Gefühl von Bewegung und Schwung verschwand.
"Mir fiel es schwer zu unterscheiden, ob ich im Berghain war oder einen Marathon lief – oder irgendwie beides."
Je länger das Rennen dauerte, desto schwerer fiel es, die Zeit zu fassen. Ganz ähnlich wie bei einer Nacht im berühmt-berüchtigten Berliner Nachtclub Berghain.
"Weil du in einem Lagerhaus bist und es stockdunkel ist, haast du überhaupt keine Ahnung, wie spät es ist … Ich schaute auf meine Uhr und dachte dann: Oh mein Gott, es ist 16 Uhr. Als ich das nächste Mal hinschaute, dachte ich: Oh mein Gott, es ist 2 Uhr morgens."
Die Umgebung schien Momente sowohl intensiver Konzentration als auch völliger Orientierungslosigkeit hervorzurufen. Manchmal wurden sich die Läufer jeder einzelnen Empfindung in ihrem Körper sehr bewusst. Zu anderen Zeiten schienen die Stunden gänzlich zu verfliegen.

Ein souveräner Sieg für den Salty Boys Athletic Club
Am Ende hatten die Salty Boys einen komfortablen Vorsprung von mehr als 16 Kilometern erzielt.
Der Sieg war beeindruckend, doch noch auffälliger war, dass das Rennen jeden Teilnehmer vor dieselbe psychische Herausforderung stellte. Das Team weigerte sich, eine Pause einzulegen, und lief die ganze Nacht hindurch, ohne zu schlafen. Sie gaben Vollgas, während sie zusehen mussten, wie andere Teams um sie herum nur noch dahinschlitterten und zusammenbrachen.
Wie ein echter Wettkämpfer bemerkte Alec:
"Es war schon ein gutes Gefühl, zu sehen, wie andere Menschen nach und nach aufgaben"
Das Arc Project 4 war nicht nur ein Fitnesstest. Es war ein Test der Aufmerksamkeit, der Belastbarkeit und der Fähigkeit, sich auch in unbekanntem Terrain weiterzuentwickeln. 24 Stunden lang blieb jeder Athlet am selben Ort. Mental hatten viele das Gefühl, an einen ganz anderen Ort gereist zu sein.

FAQs zum Arc Project
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