
Der schnellste Marathonschuh der Welt im Test: adidas Adizero Adios Pro Evo 3
Noch vor kurzer Zeit gehörte ein Marathon unter zwei Stunden in dieselbe Kategorie wie die Meile unter vier Minuten: faszinierend, inspirierend und letztlich unmöglich.
Heute befindet sich der Langstreckenlauf in einer völlig neuen Ära. Rekorde purzeln, Athleten laufen schneller als je zuvor, und das Streben nach minimalen Vorteilen ist eines der prägenden Themen des modernen Laufsports geworden. Kaum ein Schuh verkörpert diesen Fortschritt so sehr wie der adidas Adizero Adios Pro Evo 3.
Getragen von Sebastian Sawe beim London Marathon 2026, als er die Zwei-Stunden-Grenze in 1:59:30 durchbrach, und von Tigst Assefa beim neuen Frauen-Weltrekord von 2:15:41, ist der Pro Evo 3 schnell zu einem der meistdiskutierten Wettkampf-Laufschuhe aller Zeiten geworden.
Aber wie fühlt sich so ein Schuh eigentlich unter den Füßen an, und ist der Hype wirklich gerechtfertigt? Um zu verstehen, was der Pro Evo 3 tatsächlich leisten kann, haben wir uns mit Marathonläufer Callum Davidson für seine ehrliche Meinung getroffen.
Callum läuft, seit er sechs Jahre alt ist. Die Wochenenden verbrachte er mit seinem Vater bei Rennen, stand am Straßenrand, verfolgte seinen Vater beim Wettkampf in London und anderswo – eine Erfahrung, die ein nie erloschenes Feuer in ihm entfachte. Seitdem hält ihn die Marathon-Distanz dauerhaft in ihrem Bann. Seine aktuellen Bestleistungen liegen bei beeindruckenden 65:22 Minuten auf der Halbmarathonstrecke und 2:21:52 Stunden für die komplette Distanz.
Wie viele Läufer, die jahrelang im Sport aktiv sind, hat Callum diesen Wandel hautnah miterlebt.
„Der Sport ist in vielerlei Hinsicht kaum wiederzuerkennen“, erklärt er. „Das Training hat sich verändert, die Ernährung hat sich verändert und natürlich hat sich das Schuhwerk massiv weiterentwickelt.“
Der adidas Adizero Adios Pro Evo 3 steht an der Speerspitze dieser Entwicklung. Dieser Laufschuh ist nicht dafür gemacht, alles zu können. Er ist dafür konzipiert, eine Sache außergewöhnlich gut zu machen: Schnell zu laufen, wenn es darauf ankommt.
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Erster Eindruck: „Das Gewicht hat mich umgehauen“
„Als ich Sawe, Assefa und Kejelcha im April beim London Marathon im Pro Evo 3 laufen sah, wollte ich sie unbedingt selbst ausprobieren.“
„Als ich sie zum ersten Mal angezogen habe, hat mich das Gewicht sofort umgehauen. Mit 97 Gramm sind sie leichter als eine gewöhnliche Tafel Schokolade – das ist keine Zahl, die man liest und gleich wieder vergisst. Das spürt man sofort, wenn man sie in die Hand nimmt.“
Zum Vergleich: Der Pro Evo 3 ist 41 Gramm leichter als sein Vorgänger und damit nicht das einzige, was Callum überrascht hat.
„Am Fuß war die Reaktionsfreudigkeit sofort spürbar. Die Carbonstäbe verharren nicht passiv – sie wollen einen nach vorne katapultieren.“
„Was mich jedoch überrascht hat, war, wie sehr sich der Schuh wie ein echter Laufschuh anfühlt. Das klingt offensichtlich, ist es aber nicht. Viele Superschuhe wirken klatschend und instabil, sodass man sich eher daran gewöhnt, mit den Schwächen zu leben, als mit ihnen zu arbeiten.“
„Der Pro Evo 3 verlangt das nicht. Das Obermaterial gibt dem Fuß echten Halt und trotz des federleichten Gewichts fühlt sich nichts billig oder schwach an. Im Spitzensport zählen Gramm, aber über 42,195 Kilometer zählt auch Komfort – und dieser Schuh vereint beides.“

Was macht den Pro Evo 3 anders?
Klar, das Hauptthema dieses Laufschuhs ist sein Gewicht, doch die Ingenieurskunst reicht weit darüber hinaus.
Für einen Schuh, der so minimalistisch ist, ist die Balance zwischen Gewicht, Komfort und Stabilität womöglich eine seiner beeindruckendsten Errungenschaften.
„Ich bin in Berlin und Manchester in den Pro Evo 2 gelaufen, daher habe ich einen direkten Vergleich. Der Sprung in Sachen Reaktionsfreudigkeit ist deutlich und sofort spürbar (keine Kritik am Vorgänger, sondern ein klarer Beleg, wie weit sich dieser Schuh weiterentwickelt hat). Wo Modelle wie der Alphafly, Vaporfly und Cloudboom Strike unter dem Fuß instabil wirken können, fühlt sich der Pro Evo 3 fest und zielgerichtet an.“
Genau dieses Vertrauen verleiht dem Schuh im Vergleich zur Konkurrenz sein rundes Laufgefühl – und das trotz des reduzierten Designs.
„Bequeme Carbon-Wettkampfschuhe waren für mich immer schwer zu finden. Da ich größer und schwerer bin als das typische Elite-Profil, ist Passform und Stabilität für mich extrem wichtig – wenn man etwas findet, das funktioniert, bleibt man dabei. Der Pro Evo 3 funktioniert.“
Im Kern steckt der neueste Lightstrike Pro Evo-Schaum von adidas, der maximale Energierückgabe bei möglichst geringer Masse bieten soll. Dazu kommt das brandneue, karbonverstärkte EnergyRim-Element – ein steifer Bestandteil zur verbesserten Vortriebssteigerung, das gleichzeitig mehr Schaum darunter zulässt und somit trotz minimalistischem Aufbau überraschend weich wirkt. Auf der Außensohle wurde Continental™ Rubber gezielt im Vorfußbereich platziert, um maximalen Grip ohne Gewichtszunahme zu bieten – so lässt sich auch auf Kurven und bei Nässe mit Zuversicht laufen.
Der Pro Evo 3 spielt in einer ganz eigenen Liga.
„Mit 97 Gramm sind sie leichter als eine Tafel Schokolade“
| Schuh | ca. Gewicht | So schneidet er ab |
| Pro Evo 3 | 97 g (3,4 oz) | Leichtester Marathonschuh aller Zeiten |
| Pro Evo 2 | 138 g (4,86 oz) | +41g schwerer |
| Nike Alphafly 3 | 218 g (7,7 oz) | +121g schwerer |
| ASICS Metaspeed Sky | 183 g (6,4 oz) | +86g schwerer |
Für wen ist der Pro Evo 3 eigentlich gedacht?
Es ist fair zu sagen: Der Pro Evo 3 ist nicht für jeden Läufer gedacht – und soll es auch nicht sein.
Die ultraleichte Bauweise bedeutet zwangsläufig, dass die Haltbarkeit Teil der Diskussion wird. Der Schuh ist in erster Linie für die Wettkampfperformance und in zweiter Linie für Langlebigkeit konzipiert. Dies ist kein Schuh für lockere Läufe, Regenerationseinheiten oder Vielseitigkeit.
Er hat ein Ziel: so schnell wie möglich zu laufen.
Callum gibt pragmatische Tipps:
„Der Pro Evo 3 ist das letzte Puzzlestück, nicht der Ausgangspunkt.“
Er hat das Thema marginale Zugewinne nochmals aufgegriffen – und noch wichtiger: für wen sich diese am meisten bemerkbar machen.
„Wenn die Ernährung nicht passt und das Training nicht da ist, wo es sein sollte, bringt ein 500-GBP-Schuh nichts; eine günstigere Variante und ehrliche Arbeit schon. Hat man alle anderen Stellschrauben gedreht, kann man sich die Margen holen, die so ein Schuh bietet.“
„Der Pro Evo 3 ist gemacht für Läufer:innen mit effizientem Laufstil; für diejenigen, die die Carbonstäbe korrekt belasten und die Energierückgabe voll ausschöpfen können.“
„Die aggressive Rocker-Konstruktion und das steife Vortriebssystem belohnen alle, die ohnehin schon effizient laufen. Wer noch an der Technik feilt, bekommt keine Kompensation – ein gut gedämpfter, verzeihender Trainer hilft da weitaus besser, bis die Mechanik stimmt.“
Für Läufer:innen, die eine Abkürzung suchen, ist das nicht die Lösung. Für alle, die bereits viel investiert haben – sei es für die großer Marathon-Bestzeit, vordere Plätze beim Vereinslauf oder das große Ziel unter drei Stunden – kann der Pro Evo 3 den bereits erarbeiteten Vorteil spürbar verstärken.
Callum gibt auch Einblick in seine eigene Trainingsroutine. Mit einer Lebensdauer von etwa 80 bis 100 Kilometern ist das ein Schuh, den man für die wirklich wichtigen Anlässe reservieren sollte.
„Deshalb nutze ich meine Wettkampf-Laufschuhe fast ausschließlich im Rennen. Meine Einheiten laufe ich vorrangig im Evo SL und setze Carbon-Laufschuhe nur bei Schlüsselsessions und am Wettkampftag ein. Genau so sollte man diesen Schuh betrachten.“
Den Evo SL, fürs Training gedacht, findest du als Teil des Adizero Fast Pack, zusammen mit dem Adios Pro 4, Boston 13 und Takumi Sen 11.

Deine Wettkampfwaffe
Callum sagte uns, dass er sich wirklich glücklich schätzt, im Pro Evo 3 trainieren und laufen zu dürfen. Doch was wir eigentlich wissen wollten, war einfach: Hätte er sich die Schuhe auch gekauft, wenn er sie nicht bekommen hätte?
Callum betonte noch einmal ausdrücklich, dass dieser Laufschuh ausschließlich für den Wettkampf gebaut ist. Er ist nicht dafür gedacht, an einem Dienstagmorgen Kilometer zu sammeln, und das gibt er auch ganz offen zu.
„Für 450 Pfund kauft man sich diesen Schuh nicht für einen lockeren parkrun. Aber für einen wichtigen Wettkampf (wenn der Halbmarathon dick im Kalender steht oder man sich sechs Monate lang auf einen Marathon vorbereitet hat), würde ich das ohne Zögern zahlen. Laufen ist ein zentraler Bestandteil meines Lebens und ich investiere bewusst in alles, was es unterstützt. Wenn ein Schuh einen messbaren Zeitvorteil bringen kann, ist das für mich eine sinnvolle Investition.“
Er berichtet auch von seiner eigenen Erfahrung.
„Als ich 2021 die 5 km in 14:09 gelaufen bin, war ich quälend nah an sub 14. Wenn mir der Pro Evo 3 jetzt diesen Vorsprung liefern könnte, würde ich 450 Pfund zahlen, ohne vorher aufs Konto zu schauen.“
Genau das bedeutet der Pro Evo 3 für Callum: Keine Abkürzung, schon gar kein Ersatz fürs Training, sondern der letzte Feinschliff, wenn alles andere stimmt.
„Ob geschenkt oder gekauft – ich würde ihn nehmen. Für 450 Pfund und 80 bis 160 km Lebensdauer holt man ihn nicht einfach für eine lockere Mittwochrunde aus dem Schrank. Aber wenn es darauf ankommt, weiß man es.“

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